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Lernen, weil man will

6. Sept.
3 Min. Lesezeit

Die intrinsische Motivation ist eine kraftvolle Triebfeder, die Kinder von Natur aus dazu bewegt, Neues zu entdecken, zu lernen und sich zu entwickeln. Es ist die innere Freude, die sie antreibt, Dinge zu tun – nicht, weil sie dafür eine Belohnung erwarten oder von außen dazu gedrängt werden, sondern weil sie schlichtweg Spaß daran haben. Dieses Phänomen lässt sich gut beobachten, wenn ein Kind stundenlang eine Geschichte schreibt, ein Puzzle zusammensetzt oder versucht, ein Instrument zu spielen – einfach, weil es Lust darauf hat.


Was ist intrinsische Motivation?

Intrinsische Motivation bedeutet, dass das Verhalten von einem inneren Interesse oder einer Freude an der Sache selbst angetrieben wird. Ein Kind, das intrinsisch motiviert ist, fühlt sich nicht gezwungen, eine Aufgabe zu erledigen, sondern macht dies aus eigenem Antrieb. Im Gegensatz dazu steht die extrinsische Motivation, bei der äußere Anreize wie Belohnungen, Lob oder Noten eine Rolle spielen.


Die Selbstbestimmungstheorie von Ryan und Deci

Die beiden Psychologen Edward L. Deci und Richard M. Ryan haben eine einflussreiche Theorie zur intrinsischen Motivation entwickelt – die Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory, SDT). Laut dieser Theorie sind drei grundlegende psychologische Bedürfnisse entscheidend, um die intrinsische Motivation zu fördern:

  • Autonomie: Kinder möchten das Gefühl haben, dass sie Kontrolle über ihr Handeln haben. Wenn sie selbst Entscheidungen treffen und Aufgaben nach ihrem eigenen Tempo angehen dürfen, fühlen sie sich selbstbestimmt. Ein Kind, das etwa entscheidet, wie es ein Kunstprojekt gestaltet, wird sich viel stärker engagieren als ein Kind, dem jedes Detail vorgegeben wird.

  • Kompetenz: Kinder wollen das Gefühl haben, dass sie etwas können und dass sie in dem, was sie tun, Fortschritte machen. Erfolgserlebnisse, bei denen sie spüren, dass sie eine Herausforderung meistern, sind essenziell. Ein Kind, das seine Fähigkeiten beim Bauen eines komplizierten LEGO-Sets verbessert, erlebt Freude an der Aufgabe und möchte immer weiter lernen.

  • Soziale Eingebundenheit: Kinder brauchen das Gefühl, dass sie mit anderen verbunden sind und dass ihre Bemühungen von anderen wertgeschätzt werden. Dies kann durch positive Rückmeldungen von Lehrern, Eltern oder Freunden geschehen, die ihre Arbeit anerkennen, ohne sie zu übermäßig zu loben oder zu bewerten.


Wie fördert man intrinsische Motivation bei Kindern?

Eltern und Lehrer können viel dazu beitragen, die intrinsische Motivation bei Kindern zu unterstützen. Der Schlüssel ist, den Kindern die Freiheit zu geben, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, anstatt sie zu stark zu kontrollieren oder ausschließlich durch äußere Belohnungen zu motivieren. Hier ein paar Ansätze:

  • Freiraum bieten: Kindern sollte Raum gegeben werden, ihre eigenen Projekte und Ideen zu verfolgen. Sei es das Malen, das Erforschen der Natur oder das Bauen von Fantasiewelten – Kinder sollten die Möglichkeit haben, ihren Leidenschaften nachzugehen.

  • Positives Feedback statt Lob: Anstatt Kinder immer nur für ihre Erfolge zu loben, ist es besser, spezifisches Feedback zu geben. Anstelle von „Gut gemacht!“ könnte man sagen: „Ich sehe, dass du dir viel Mühe gegeben hast, diesen schwierigen Teil des Puzzles zu lösen.“ So fühlen sich Kinder wertgeschätzt, ohne dass der Fokus auf Belohnung oder Bewertung liegt.

  • Herausforderungen bieten: Kinder lieben Herausforderungen, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Wenn Aufgaben zu einfach sind, verlieren sie schnell das Interesse. Sind sie jedoch zu schwierig, kann das frustrierend wirken. Es gilt, ein ausgewogenes Niveau zu finden, bei dem Kinder ihre Fähigkeiten erweitern können.


Intrinsische Motivation und Lernen

Kinder, die intrinsisch motiviert sind, lernen oft besser und nachhaltiger, weil sie Freude am Prozess haben und nicht nur auf das Ergebnis hinarbeiten. Sie stellen Fragen, experimentieren und entwickeln eine tiefere Verbindung zu dem, was sie tun. Dies führt dazu, dass sie kreativer, flexibler und ausdauernder werden.

Ryan und Deci betonen in ihrer Theorie, dass es entscheidend ist, eine Umgebung zu schaffen, in der Kinder sich selbstbestimmt und kompetent fühlen. Wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre eigenen Interessen zu entdecken und gleichzeitig die Unterstützung bieten, die sie brauchen, wird ihre natürliche Neugier zur treibenden Kraft ihres Lernens und Wachstums.


Fazit

Intrinsische Motivation ist eine der stärksten Triebkräfte im Leben eines Kindes. Sie entfaltet sich, wenn Kinder das Gefühl haben, dass sie autonom handeln, ihre Fähigkeiten verbessern und in ihrem sozialen Umfeld anerkannt werden. Durch die Förderung dieser Bedürfnisse, wie es Ryan und Deci in ihrer Selbstbestimmungstheorie beschreiben, können Eltern und Lehrer Kindern helfen, ihre natürliche Begeisterung fürs Lernen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Und am Ende ist genau das der Schlüssel zu lebenslangem Lernen.


 
 
 

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